Wie fühlt es sich an, wenn die Beweglichkeit nachlässt, das Sehen schwerfällt oder alltägliche Aufgaben plötzlich zur Herausforderung werden? Antworten auf diese Fragen erhielten mehr als 200 Schülerinnen und Schüler bei der Mitmachveranstaltung „Hey Alter! Was geht?“ im Landratsamt Rhön-Grabfeld.
Kurz vor den Sommerferien nahmen Jugendliche der Realschulen Bad Neustadt und Mellrichstadt sowie der Wirtschaftsschule an einem außergewöhnlichen Aktionstag teil. Statt Unterricht im Klassenzimmer erwartete sie ein abwechslungsreicher Parcours mit zahlreichen Mitmachstationen, an denen sie die Lebensrealität älterer Menschen selbst erfahren konnten. Veranstaltet wurde der Vormittag vom Arbeitskreis „Personalgewinnung und Bindung“ des Pflegenetzwerks „pflege.vernetzt.rhön-grabfeld.“.
An insgesamt elf Stationen konnten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Einschränkungen nachempfinden und zugleich neue Einblicke in die Arbeit mit älteren Menschen gewinnen. Mit einem Alterssimulationsanzug wurden alltägliche Bewegungen zur Herausforderung. Ein Rollstuhlparcours mit unterschiedlichen Bodenbelägen machte Hindernisse im öffentlichen Raum erlebbar. Darüber hinaus standen unter anderem ein Demenzparcours, Übungen mit dem Blindenlangstock, Einblicke in die Gebärdensprache sowie praktische Pflegesituationen auf dem Programm.
Ziel der Veranstaltung war es, Verständnis für die Lebenssituation älterer Menschen zu fördern und Berührungsängste abzubauen. „Wir möchten jungen Menschen vermitteln, wie wichtig Einfühlungsvermögen und gegenseitiges Verständnis im Umgang mit älteren Menschen sind. Die große Offenheit und das Interesse der Schülerinnen und Schüler haben gezeigt, dass dieses Konzept aufgegangen ist“, betonte Sabine Wenzel-Geier, Leiterin des Pflegestützpunkts Rhön-Grabfeld.
Tatsächlich belegt eine Umfrage im Nachgang an den Perspektivwechsel, dass das Organisations-Team einen Nerv getroffen hat. Die Befragten gaben der Veranstaltung die Schulnote 1,8. Die Jugendlichen absolvierten die Stationen in kleinen Gruppen und erhielten für jede gemeisterte Aufgabe einen Stempel. Wer alle Stationen erfolgreich durchlaufen hatte, durfte sich zum Abschluss über eine Portion Popcorn freuen. Im Mittelpunkt stand jedoch nicht die Belohnung, sondern die Erfahrung, den Alltag älterer Menschen aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Dreiviertel von ihnen gaben in der Umfrage an etwas Neues über Pflege und das Alter gelernt zu haben. Fast 90 Prozent von ihnen können sich jetzt besser in ältere oder pflegebedürftige Menschen einfühlen.
Der Aktionstag machte deutlich, wie wichtig Begegnungen zwischen den Generationen sind. Durch eigenes Erleben entstanden Verständnis, Respekt und neue Sichtweisen- Werte, die sicherlich weit über den Veranstaltungstag hinauswirken. Vielen der Jugendlichen war die Mitmachveranstaltung tatsächlich zu kurz.
Zum Gelingen des Events trugen zahlreiche Partner bei. Beteiligt waren die Fachstelle für Senioren und Menschen mit Behinderung, der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund, der BRK-Pflegedienst, der Pflegestützpunkt Rhön-Grabfeld, nescare, „natur unvergesslich“, das BRK-Alten- und Pflegeheim sowie die Agentur für Arbeit.



